Uns beschäftigen aktuell viele Fragen und Ängste zu verschiedenen Inhaltsstoffen in Lebensmitteln. Eines vergessen wir dabei…

?????????????????????
Wir haben noch nie so sicher gegessen. Das aktuell größte Ernährungsrisiko „unserer Welt“ sind keine schädlichen Inhaltsstoffe, sondern eine Fehlernährung, die eine Überernährung oder eine einseitige Ernährung mit jeweils entsprechenden Konsequenzen für unsere Gesundheit sein kann. Wir leben in solch einem Überfluss an Essen und Trinken, dass wir den Luxus haben, uns darüber Gedanken zu machen, was uns vielleicht schaden könnte in unserem Essen. Nicht die Überlegungen, satt zu werden oder gut mit Nährstoffen versorgt zu sein, sondern die Angst vor bestimmten Inhaltsstoffen begleitet uns beim Einkauf.

Wie ist es zu dieser Angst gekommen?

Tatsache ist, dass auch Menschen, die nicht von Unverträglichkeiten betroffen sind, plötzlich zu glutenfreien oder lactosefreien Produkten greifen. Das könnte allerdings kontraproduktiv sein. Wird unser Darm nicht mit diesen Inhaltsstoffen konfrontiert, neigt der Körper mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Überreaktionen des Immunsystems.

Bei Laktose (Milchzucker) oder Gluten (Eiweiß im Getreide) handelt es sich um natürlich vorkommende Bestandteile von Lebensmitteln wie Milch oder Brot, die an sich nicht gesundheitsschädlich sind. Wollen wir wirklich Produkte, die frei von all diesen Inhaltsstoffen sind, hat das oft einen aufwändigen Herstellungsprozess oder den Einsatz von Hilfsstoffen wie Enzymen zur Folge. Also genau das Gegenteil von dem, wie eine gute Ernährung aussehen sollte.

Wir müssen unterscheiden zwischen Sensitivitäten – bei denen wir nicht zu hundert Prozent „frei von“ leben müssen – und einer diagnostizierten Allergie oder Zöliakie, bei der bereits geringe Mengen lebensgefährlich sein können. Dazu ein Gedankengang: In der Säuglingsernährung ist man jetzt, nach vielen Jahren, von der Empfehlung, Lebensmittel wie Weizen, Fisch und Kuhmilch im ersten Lebensjahr nicht zu verabreichen, abgekommen. Diese Empfehlungen sind gefallen, aus gutem Grund:  Es hat sich gezeigt, dass es sinnvoller ist, wenn Babys schon im ersten Jahr mögliche allergieauslösende Lebensmittel kennenlernen, als diese vollständig zu meiden. Besonders bei Getreide sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Baby eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten – die sogenannte Zöliakie – entwickelt.

Ähnlich ist es mit dem Wunsch einer sterilen Welt um uns herum,  nämlich den Einsatz von Desinfektionsmitteln im Haushalt. Nach einem Hype im Handel wird inzwischen dringend davon abgeraten. Sie töten nämlich nicht nur schädliche Bakterien, sondern auch die Nützlichen und können somit sogar unsere Gesundheit gefährden, statt sie zu bewahren. Unser Immunsystem braucht die regelmäßige Stimulation mit Bakterien, um effektiv zu arbeiten. Könnte es nicht sein, dass es mit den gefürchteten Lebensmitteln ähnlich ist? Reduzieren ja, aber komplett meiden und verteufeln? Ich gebe zu, das ist jetzt ein absolut persönlicher Zugang, der wissenschaftlich nicht belegt ist.

Drehen sich unsere Gedanken immer nur darum, was uns in Lebensmitteln nicht gut tut, geht etwas Wichtiges verloren: Das eigentliche Bauchgefühl und die Aufmerksamkeit dafür, was uns gut tut. Achten wir auf das, was am Teller liegt und wie und von wem es produziert wird, dann können wir unseren Lebensmitteln auch wieder vertrauen. Achten wir darauf, wie wir unsere Mahlzeiten einnehmen und mit wem wir es tun, dann sorgen wir für ein gutes Gefühl und möglichst wenig Stress. So lächerlich einfach das klingt, so schwierig scheint es für uns heute zu sein, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Foto: © pressmaster – fotolia.de

Menü

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Infos zum Datenschutz

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen